,,Man singt mit Freuden vom Sieg" (Ps 118)

 

 

Ein wirklicher GesangAm 9. April feierten wir die Orgelweihe

 

,,Was? Tatsächlich! Sind wirklich schon 2 Stunden vergangen? Ich habe gar nicht mitgekriegt, wie schnell die Zeit verging...", war ein typischer Gesprächsfetzen bei der Agape nach dem Gottesdienst am Palmsonntag unserer Gemeinde. Ich nenne es ein Fest, weil darin enthalten ist, sein kann, dass es nicht ,,nur" eine Abfolge einer Orgelweihe, nicht ,,nur" Musik und Reden war, nicht ,,nur" ein Dankgottesdienst, sondern alles zusammen und doch noch etwas mehr, etwas anderes. Feier. Eine Feier, bei der wir mit der Vollkommenheit des Geistes fühlen konnten, dass gilt ,,hier ist es gut, zu sein" (Mt 17,4), gut für uns, hier zusammen zu sein.

 

Außer dem freudigen Einzug war es auch ein Tag der Begegnungen - wie es am Palmsonntag sein sollte. Es trafen sich diejenigen, die monatelang mit ihrer angespannten Arbeit am Bau der einzigartigen Bach-Orgel gearbeitet hatten, und auch diejenigen, die den mutigen, in den Himmel aufsteigenden Klang des Instruments (oder besser, des musikalische Gedichtes) ab jetzt jede Woche fühlen können, es trafen zusammen Deutsche und Ungarn, Künstler und Politiker, Reformierte, Evangelische und Katholiken, und wir, alte und neue Mitglieder der Gemeinde.

Ich muss hinzufügen, dass wir von der tatsächlich zwei Stunden dauernden Feier mindestens 40 Minuten lang das überwältigende Orgelspiel von László Fassang hören konnten, stellenweise ergänzt mit einem belebenden Cellovortrag (es spielte Ditta Rohmann) und dem mitreißenden Sopran von Erika Miklósa. Wir hörten von Anonymous, Bach, Dietrich Buxtehude, Georg Böhm und Händel komponierte Töne erklingen, aber meinen, die Musik nicht verstehenden Ohren gefielen die als Textus zum Psalm 118 und dem in der Liturgie gesungenen Lobgesang 264 (,,Lobe den Herren, den mächtigen König!") gespielten Improvisationen am besten.

Und um auch die menschlichen Stimmen nicht zu vergessen: nicht irgendein Redner beehrte unsere Feier mit seiner Anwesenheit: Ministerpräsident Viktor Orbán, der beim Wiederaufbau der Kirche zur Jahrtausendwende eine Schlüsselrolle gespielt hatte, teilte seine festlichen Gedanken mit der feiernden Gemeinde, das Bisherige mit ,,der Herr wirkt wunderbar" überzeugend zusammenfassend. Nach einer kurzen Begrüßung sprach Johannes Erlbruch, Pfarrer der Budapester Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde, und Philipp Klais, Leiter der Orgelbaufirma Klais Orgelbau Bonn. Eine ungarische Staatsauszeichnung nahm dankend Jürgen Illing entgegen, der beim Wiederaufbau der Kirche ebenfalls eine bedeutende Rolle gespielt hatte. Zoltán Balog, der gewählte Pfarrer unserer Gemeinde, erklärte gleich zum Anfang der Feier seine mit der neuen Orgel der Gemeinde zusammenhängende Ars Poetica: das in diesem Teil Europas unvergleichliche Instrument, die ,,Königin der Musikinstrumente wird hier Dienerin, Zeugin, Diener der Verkündigung des Evangeliums." Nun, der erste Dienst war sehr gut gelungen!

 

Anikó Farkas